Wette auf die Renaissance der Züge in den USA

In den USA wurde die Bahn vor bereits 50 Jahren von Auto und Flugzeug stark zurückgedrängt. Einiges spricht dafür, dass sich das in den nächsten Jahren wieder ändern könnte.

In den USA ist in den letzten Jahren etwas im Gange. In den Bibliotheken steigt beispielsweise das Interesse an historischen Berichten über Eisenbahnlinien, Sachverständige inspizieren verwachsene Eisenbahnstrecken und nagelneue Bahnhöfe mit dazugehörigen Parkhäusern werden wieder gebaut, allerdings – derzeit noch – ohne den dazugehörigen Personenzügen. General Electric schaltet in namhaften Zeitungen Inserate von umweltfreundlichen Lokomotiven.

Es scheint wieder etwas in Bewegung zu kommen, dort wo früher, also vor einem halben Jahrhundert, noch viel passierte. Damals war das Land von unzähligen Personenzügen frequentiert, jetzt sind die alten Gleise verrostet und von Gestrüpp überwuchert. Ganz Amerika war auf das Flugzeug und das Auto umgestiegen. Vieles deutet darauf hin, dass die Rückkehr der Züge kurz bevor steht. Warum behaupte ich so etwas?

Ein gewisser John R. Stilgoe beobachtet das Geschehen der Bahnbranche seit längerer Zeit und hat zu diesem Thema das Buch „train time“ geschrieben. Dabei beleuchtet er die historische Bedeutung der Bahn in den USA, deren Niedergang und deren Chancen in der Zukunft. Das Buch war 2007 erschienen und als erste Bestätigung kaufte Warren Buffet 39 Millionen Stück Aktien der Burlington Northern Santa Fe (BNSF), das waren mehr als 20% der zweitgrößten US amerikanischen Eisenbahngesellschaft.

Die BNSF ist auf Güterverkehr ausgerichtet und gilt als eine der bestgeführten Bahnunternehmen in den USA. 2009 übernahm Buffet nochmals um 26 Milliarden(!) Dollar die restlichen Anteile und deren Schulden im Umfang von 10 Milliarden! Er nannte seinen Deal  einen „Wetteinsatz auf die wirtschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten“.

Auch Milliardärs Kollege Bill Gates, Buffets Freund, scheint Interesse an Bahnunternehmen zu haben. Seine Anlagegesellschaft, die sein Vermögen und das seiner Stiftungen verwaltet investierte bereits vor Jahren in ein kanadisches Bahnunternehmen.

Barack Obama stellte 2010 ein Konjunkturpaket von acht Milliarden Dollar für den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsstrecken in Aussicht. Nach dieser Aussage herrschte bei Bahnbetreibern und Technologiekonzernen aus der ganzen Welt Goldgräberstimmung, wie am Beginn des 19. Jahrhunderts. Beim Hoffnungsmarkt Kalifornien rechnet die California High Speed Authority bis 2030 mit jährlich 100 Millionen Passagieren auf Highspeedstrecken. Wer den jetzigen Zustand der Passagierzüge zwischen den Metropolen Los Angeles und der San Francisco Bay kennt, dem ist bewusst dass es hier ein riesiges Potential gibt an Passagieraufkommen gibt das derzeit größtenteils über Auto und Flugzeug abgewickelt wird.

Bei meinem letzten USA Aufenthalt wunderte ich mich sehr über die fast nicht existierende Bahnverbindung zwischen San Francisco und Los Angeles. Die Züge waren langsam, kosteten viel und es gab täglich eine Direktverbindung. Das erinnert eher an Entwicklungsländer als an ein hoch entwickeltes Land wie Kalifornien.

Allein die Baukosten der Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles sind mit 40 Milliarden Dollar veranschlagt. Es gibt’s zwar bereits eine Behörde für Hochgeschwindigkeit in Kalifornien, jedoch die angekündigte Förderung durch die US Regierung von 2,25 Milliarden Dollar sind bei diesen Summen nur ein bescheidener Anfang.

Am besten sieht man anhand von Vergleichen mit Europa und Asien, wie groß der Aufholbedarf  die USA in Bezug auf Eisenbahn Infrastruktur ist.

Quelle: Wikipedia

Nordamerika liegt unverändert mit 20 Zügen am Ende der Statistik.

Bei den Hochgeschwingkeitsstrecken hinken die Amerikaner hinterher. Beispielsweise werden in China bis ins Jahr 2025 mehr als 13.000 Kilometer in Planung, Bau oder Betrieb sein. In den USA dagegen nur lediglich 1000 Kilometer, den Großteil davon im Planungsstadium.

Allerdings ist schon von einem wichtigen Mentalitätswechsel zu sprechen dass diese Thema zumindest im Regierungsprogramm einging. Außerdem kam es in den letzten Jahren zu interessante Erfolgsgeschichten von bereits eingestellten und wiederaktivierten Bahnstrecken – mehr dazu siehe im 2. Teil des Artikels.

[ Quelle: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2010/logistik/die-rueckkehr-der-zuege ]

Wie denken sie über die Zukunft der Eisenbahn, des Schienengüterverkehres im Allgemeinen?

Glauben Sie an eine Renaissance der Eisenbahn in den USA?

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