Kostensenkung durch gelebte Kreislaufwirtschaft im Gleisbau – ein Erfahrungsbericht

Schieneninfrastruktur errichten und erneuern ist eine sehr kostspielige Angelegenheit. Deshalb möchte ich Ihnen in diesem Artikel aufzeigen wie Sie Errichtungskosten sparen können und im Sinne der Kreislaufwirtschaft richtig agieren.

Als erfahrener Gleisbauer weiß ich, dass man mit gebrauchten Materialien im Gleisbau sehr viel Geld sparen kann. Dafür erzähle ich Ihnen folgendes Beispiel: Der Oberbau, also die Schienen und Betonschwellen einer Hauptstrecke, wie beispielsweise der Westbahn in Österreich zwischen Wien und Salzburg, werden in der Regel nach 35 Jahren erneuert. Die ausgebauten Stoffe werden bei den ÖBB jedoch nicht entsorgt, sondern einem internen Kreislaufwirtschaftssystem zugeführt. Die Schienen und Schwellen werden in eigenen Werken geprüft und sortiert, damit sie einer Weiterverwendung zugeführt werden können. Mit diesen “Altstoffen” werden nach wie vor standardmäßig die Streckengleise von Nebenbahnen erneuert.

In den Hauptstrecken muss der Oberbau Hochleistungsaufgaben erfüllen, das sind:

  • hohe Geschwindigkeiten
  • hohe Lasten
  • viele Zugsüberfahrten (Lastwechsel)

Zweiter Lebenszyklus

Nach Ende des Lebenszyklus im Hochleistungsbereich können sie in einem zweiten Lebenszyklus weiterverwendet werden, und zwar in weniger belasteten Gleisen wie Nebenstrecken oder Anschlussbahnen, wo viel geringere Geschwindigkeiten gefahren werden und geringere Belastungen auftreten. Und das unter Umständen und bei ausreichender Instandhaltung noch weitere Jahrzehnte. Teilweise befinden sich in Nebenstrecken Schienen mit einem Alter von 80 Jahren und mehr.

Die Methode des zweiten Lebenszyklus erspart viel Geld und schont die Umwelt, das möchte ich Ihnen Anhand eines Beispiels veranschaulichen.

Beispiel: 1.000m Gleisauswechslung einer Nebenbahn

Materialien Menge lfm Preis Altstoffe/lfm Preis Neustoffe/lfm Ersparnis in € Ersparnis in %
Oberbaumaterialien, Schienen und Schwellen 1 € 85,67 € 169,75 € 84,08 50%
Oberbaumaterialien, Schienen und Schwellen 1.000 € 85.665,20 € 169.745,85 € 84.080,65 50%

Preisbasis: 2020 (Abschätzung)

Fazit: Bei einem Einsatz von Altstoffen bei Schienen und Schwellen kann man bis zu 50% der Materialkosten einsparen und trotzdem sehr langlebigen Oberbau errichten. Im genannten Beispiel mit rund einem Kilometer Bahnstrecke sind dies rund € 84.000.  Daher ist der Einsatz von geeigneten Altstoffen bei Nebenbahnen und Anschlussbahnen empfehlenswert.

Kaufempfehlungen für Altstoffe

Bei Schienen achten Sie auf folgende Angaben:

  • durchgängig ultraschallgeprüfte Schienen
  • reprofilierte Fahrkanten
  • augenscheinliche Überprüfungen

Bei Schwellen:

  • augenscheinliche Kontrolle
  • einheitliche Befestigungen
  • gut funktionierende Befestigungssysteme
  • keine Holzdübel bei Schwellenschrauben

Außerdem ist eine Besichtigung der Stoffe gemeinsam mit einem Experten vor Einbau zu empfehlen. Kaufen sie nur geprüfte Altstoffe!

Angebot auf dem Railway Portal

Aktuell können am Railway Portal folgende Altstoffe passend zu diesem Artikel erworben werden:

Diverse Angebote finden Sie unter https://railwayportal.com/marktplatz-materialien/

Ökobilanz der Kreislaufwirtschaft

Auch die Ökobilanz von Altstoffen kann sich sehen lassen:

Kategorie Menge EH Gewicht to CO₂ Bilanz Altstoffe to CO₂e CO₂ Bilanz Neustoffe to CO₂e
Schienen 49E1 2000 m 100,00 0,50 100,00
Betonschwellen L1/L2 oder ähnl. 1667 stk 416,75 2,08 416,75
Summe: 2,58 516,75
<1% 100%
Einsparung in % 99%

Die Gesamteinsparung an CO₂-Äquivalente durch Altstoffe rund 514 Tonnen CO₂ und dies entspricht ca. 234 Langstreckenflügen von Wien nach New York! (Quelle: Flug Wien – NY: 2,2to laut https://co2.myclimate.org).

Zusammenfassung

Bei der Erneuerung von Oberbau auf Nebenbahnen und Anschlussbahnen kann beim Einsatz von Altstoffen bis zu 50% der Materialkosten eingespart werden. Zusätzlich stellt eine Weiterverwendung ein hohes Einsparungspotential an CO₂ dar, durch den Einsatz von Altstoffen werden bis zu 99% CO₂ im Vergleich zu Neustoffen eingespart.

 

Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit Altbaustoffen sammeln können?

Erstellt von: Ing. Georg Vesely, Ingenieurbüro für Eisenbahnbau, Gründer Railway Portal

Teilen

Schreibe einen Kommentar