Die Klimakrise und die drohende CO² Steuer für den Verkehrssektor beflügelt den Schienengüterverkehr

Mein Büro verzeichnet in den letzten Monaten vermehrte Anfragen von Anschlussbahn(AB)– Betreibern, die über eine Reaktivierung bzw. Rückverlagerung von Transportleistungen auf die Schiene nachdenken.

Konkret wurde vor kurzem eine Anlage im Raum Salzburg reaktiviert und für den Verkehr freigegeben. Ein Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) bietet seinen Kunden einen einfachen Zugang zum ÖBB Netz an – über die ehemals stillgelegte Anlage. Ein schönes positives Beispiel, das noch dazu in Kooperation zwischen einem EVU und einer klassischen Spedition stattfand.

Ich möchte AB – Betreibern aus meiner Erfahrung Empfehlungen geben, wie sie sich die Option einer Reaktivierung offenhalten können.

  1. 19a Überprüfungen auch bei stillgelegten Anlagen: Führen Sie regelmäßige Überprüfungen der AB durch, auch wenn diese stillgelegt ist. Die 5-jährige §19a Überprüfung ist auch bei stillgelegten Anlagen lt. EisbG. verpflichtend. Auch wenn Sie ein negatives Gutachten ausgestellt bekommen, sichert dieses, dass Sie die Anlage nicht abtragen müssen und der gültige Genehmigungsbescheid nicht erlischt. Dieser wird übrigens erst aufgehoben, wenn Sie die Anlage bei der Behörde zur Auflassung und Abtrag beantragen. Bei einer Reaktivierung kann die AB mit dem genehmigten Bescheid weiterbetrieben werden, es ist keine neuerliche Einreichung bei den Behörden notwendig. Die meisten Umbauten sind auch genehmigungsfrei und können lt. §36 genehmigungsfreie Vorhaben mit §40 Personen umgebaut und erweitert werden.
  2. Machbarkeitsstudien geben Klarheit: Sollten Sie planen, die Anlage wieder zu aktivieren, empfehle ich von professioneller Seite Kosten erheben zu lassen. Umfassend wird ein Umbau oder die Reaktivierung normalerweise bei einer Machbarkeitsstudie beleuchtet, bei dieser werden folgende Punkte betrachtet:
  • Investitionskosten der Maßnahme
  • Technische Prüfung der Trassenmöglichkeiten (Lage – und Höhenverhältnisse)
  • Verschubtechnische Abwicklung in der AB in Abstimmung mit dem EVU
  • Auslotung der passenden Waggontypen
  • Förderungsmöglichkeiten
  1. Leistungsfähigkeit der AB erhöhen: Erhöhen sie die Achslast Ihrer AB auf 22,5 to Achslast und verwenden sie 4-achsige Güterwaggons –alles was darunter ist, ist nicht wirtschaftlich. Es gibt auch sehr interessante neue Waggontypen, die innovative Verladekonzepte bieten, flexibel sind und höhere Zuladungen erlauben.
  2. Bauleistungen ausschreiben: Lassen Sie sich von professionellen Unternehmen beraten und begleiten – vermeiden Sie Direktvergaben an Baufirmen. Lassen Sie Ausschreibungs- und Leistungsverzeichnisse erstellen, in denen genau beschrieben wird, was, wie und wo Sie etwas erneuern wollen. Erst Ausschreibungen an viele potentielle Anbieter und genaue Leistungsbeschreibungen ermöglichen den Vergleich zwischen den Anboten. Bei direkten Anfragen bei Baufirmen gibt es meist keine Vorgaben und die Baufirmen bieten nach bestem Wissen an, was sehr unterschiedlich ausfallen kann und keine Vergleichbarkeit erlaubt.
    -> Vergleichen sie Äpfel mit Äpfeln und nicht Äpfel mit Birnen. Holen Sie sich Angebote mehrere Unternehmen durch die Veröffentlichung einer Suchanfrage oder Ihrer Ausschreibung auf dem Railway Portal.
  1. Gute Vorausplanung: Berücksichtigen Sie bei Werksumbauten die Lage der Gleise und ev. Erweiterungsmöglichkeiten der Gleisanlage. Im Nachhinein sind Umbauten oft schwierig und teuer.
  2. Gebrauchte Stoffe für AB und Nebenbahnen sind ausreichend: Arbeiten Sie bei Umbauten und Erneuerung mit altbrauchbaren (gebrauchten) Stoffen. Meistens sind für den Umbau bereits gebrauchte Stoffe völlig ausreichend & das spart Geld und Ressourcen. Bei gebrauchten Materialien liegen die Preise bei ca. 50% des Neupreises und die Qualität ist vollkommen ausreichend, da Anschlussbahnen meist nur mit geringen Geschwindigkeiten befahren werden. Sie finden eine Reihe von gebrauchten Stoffen auf dem Railway Portal auf dem Marktplatz für Materialien oder dem Marktplatz für Fahrzeuge.
  3. Fördermöglichkeiten ausnützen: Nützen Sie die üppigen Fördermöglichkeiten, die es in Österreich gibt – mehr dazu m im nächsten Beitrag.

Darüber hinaus ist es auch hilfreich nochmals die wesentlichen Umweltvorteile des schienengebundenen Güterverkehres herauszustreichen. Für die eigenen Überlegungen oder zur Diskussion mit Entscheidern. Die folgende Abbildung von „VCÖ – Mobilität mit Zukunft“ zeigt dies im Überblick:

Quelle: VCÖ, www.vcoe.at

Die Bahn hat im Vergleich zum LKW weniger als ein Zehntel an CO² Emissionen, ein Siebentel an Sickoxide- Emissionen und nur 15% an Energiebedarf. Mit einer funktionierenden AB können daher positive Effekte für die Umwelt und Kosteneffizienz kombiniert werden.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Betrieb oder Reaktivierung von Anschlussbahnen? Oder kennen Sie eine AB, die großes Potential für eine Reaktivierung bietet?

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